Planungsphase
Weshalb heisst das Areal Gleis 11?
Das südlichste Perron am Bahnhof Solothurn gehört zu den Gleisen 9 und 10. Zusätzlich gibt es ein stillgelegtes Industriegleis, das auf das Areal der AZ Medienhaus AG führt. Aus diesem Stumpengleis ist der Name «Gleis 11» für das Areal entstanden.
Zudem hat die Zahl Elf in der Stadt Solothurn eine besondere Bedeutung. Sie ist sowohl historisch als auch in der Gegenwart sehr präsent (z.B. elf Altäre in der St. Ursenkathedrale oder das lokale «Öufi»-Bier).
Warum wird das Areal entwickelt?
Das Areal an der Zuchwilerstrasse war seit den 1920er-Jahren dicht bebaut und gemischt genutzt. Ab den 1970er-Jahren wurden Gebäude abgerissen, wodurch eine Teilbrache entstand. Heute bestehen nur noch das Verlagshaus und die Druckerei.
Die zwei Bauten wurden im Auftrag der Vogt Schild AG erbaut. 1988 zog die Solothurner Zeitung auf das Areal. Nach der Übernahme der Vogt-Schild-Medien durch die AZ Medien entstand 2011 im Verlagshaus das heutige Medienhaus, welches die Redaktion und den Verlag der Solothurner Zeitung sowie Radio 32 und eine Aussenstelle von Tele M1 beherbergt.
2018 gingen die Liegenschaften an die CH Regionalmedien AG über, 2020 erwarb die AZ Medienhaus AG das Areal mit dem Ziel, ein modernes Entwicklungsprojekt zu realisieren.
Die Druckerei stand in der Zwischenzeit fast 20 Jahre leer und das Verlagshaus entspricht baulich nicht mehr heutigen Standards. Mit dem Wohn- und Gewerbeprojekt Gleis 11 der AZ Medienhaus AG erhält das Areal eine neue städtebauliche Gestaltung und Nutzung. Es entsteht hochwertiger Raum für Gewerbe und Wohnen an zentraler Lage.
Warum wurde ein Studienauftrag durchgeführt?
In einer Machbarkeitsstudie wurde geprüft, welches Potenzial beim Areal Gleis 11 für die Weiterentwicklung besteht. Dazu wurden vielfältige Rahmenbedingungen wie Klima, Lärm, Mobilität und Sozialraum untersucht. Nach der Analyse wurde in Abstimmung mit der Stadt beschlossen, für die Qualitätssicherung im nächsten Schritt einen Studienauftrag durchzuführen.
Für den Studienauftrag wurden mehrere Teams eingeladen, eine Idee für das Areal Gleis 11 zu erarbeiten. In jedem Team waren ein Architekturbüro und ein Landschaftsarchitekturbüro vertreten. Gemeinsam wurde die beste Lösung gesucht. Das Team um EM2N AG und Haag Landschaftsarchitektur GmbH hat den Studienauftrag gewonnen.
Sind die Stadt Solothurn und der Kanton Solothurn über das Vorhaben informiert?
Vertretende des Stadtbauamts der Stadt Solothurn wie auch des Amts für Raumplanung des Kantons Solothurn wurden seit Beginn in die Entwicklung miteinbezogen. Die Stadtpräsidentin wurde zum Projektstart informiert. Zudem haben Stadt und Kanton den Studienauftrag begleitet und ihre Interessen eingebracht. Die Verwaltung wird das Projekt auch zukünftig eng begleiten.
Hängt die Arealentwicklung mit der «Entwicklung Bahnhof Solothurn Süd» zusammen?
Das Projekt Gleis 11 steht in keinem direkten Zusammenhang mit der «Entwicklung Bahnhof Süd». Die Eigentümerschaft sieht die Arealentwicklung Gleis 11 aber als Beitrag zu einer qualitätsvollen und zukunftsfähigen Entwicklung der Südseite des Bahnhofs Solothurn. Die Eigentümer sind zudem im Gespräch mit Vertretenden anderer Entwicklungsprojekte rund um den Bahnhof Solothurn, um allfällige Synergien zu nutzen.
Was passiert mit der Unterführung zum Dornacherplatz?
Die AZ Medienhaus AG steht mit dem Stadtbauamt der Stadt Solothurn und den angrenzenden Nachbarn sowie den SBB in Kontakt diesbezüglich. Eigentümerinnen der Unterführung sind heute die SBB und die Schweizerische Post.
Die AZ Medienhaus AG ist überzeugt, dass die Unterführung eine wichtige Funktion für die Stadt und die künftigen Bewohnenden des Areals hat, und möchte weiterhin eine sichere und angenehme Nutzung ermöglichen. Die Möglichkeiten hierfür werden im Rahmen der weiteren Projektentwicklung mit den Eigentümerinnen und der Stadt diskutiert.
Der Stadt ist bewusst, dass die Unterführung eine Bedeutung hat. Zum heutigen Zeitpunkt ist keine Änderung möglich, da die Eigentümerschaft nicht bei der Stadt liegt.
Wie profitiert das Quartier von der Arealentwicklung?
Mit dem Quartierplatz vor der Druckerei entsteht ein Begegnungsort für das Quartier mit grossen Bäumen und einem Brunnen. Dank dem geplanten Lebensmittelladen, der Kita und einer Gastronomienutzung kann alltäglichen Bedürfnissen in der Nähe nachgekommen werden. Zudem entsteht mit dem Gartenhof für die Bewohnenden eine grüne Lunge und mehr Biodiversität im Quartier.
Wie wird die ökologische Nachhaltigkeit bei der Projektentwicklung berücksichtigt? Welche konkreten Massnahmen werden getroffen?
Im gesamten Bauprojekt wird der ökologischen Nachhaltigkeit ein hoher Stellenwert beigemessen.
- Durch den Erhalt der alten Druckerei wird nicht nur ein Stück Solothurner Geschichte bewahrt, dadurch reduziert sich auch der Ressourcenverbrauch massgeblich.
- Bei den Baustoffen wird, wo möglich, auf nachwachsende Materialien zurückgegriffen. Die Gebäude werden so konstruiert, dass der Ersatz einzelner Bestandteile möglichst einfach möglich ist.
- Die Einstellhalle und die Keller liegen direkt unter den Gebäuden. Dadurch sind die Freiräume nicht unterbaut. So können grosse Bäume mit einem üppigen Wurzelwerk gepflanzt werden. Sie sorgen für ein angenehmes Klima.
- Das Prinzip der Schwammstadt wird auf dem gesamten Areal umgesetzt. Das bedeutet, dass bei Niederschlägen das Wasser vor Ort zurückgehalten und gespeichert wird. Es wird anschliessend dosiert an die Umgebung abgegeben. Die natürliche Versickerung und Verdunstung ist auf dem Quartierplatz, im Gartenhof und bei der biodiversitätsfördernden Bepflanzung entlang der Bahngleise sichergestellt.
Wie wird die soziale Nachhaltigkeit bei der Projektentwicklung berücksichtigt? Welche konkreten Massnahmen werden getroffen?
Der sozialen Nachhaltigkeit wird beim Gleis 11 Rechnung getragen.
- Die unterschiedlichen Wohnungsgrössen bieten Menschen in verschiedenen Lebensphasen und mit vielfältigen Lebensentwürfen ein modernes Zuhause.
- Die unterschiedlichen Wohnungsgrössen und Ausstattungsmerkmale richten sich an eine breite Zielgruppe mit unterschiedlichen finanziellen Verhältnissen.
- Die Wohnungen sind hindernisfrei zugänglich. Sie sind sowohl für Familien geeignet als auch altersgerecht ausgebaut.
- Dank der Ausrichtung der Balkone und dem Gartenhof werden Begegnungen und gemeinschaftliches Wohnen gefördert.
- Dank dem Lebensmittelladen, der Kita oder einer Gastronomienutzung entstehen auf dem Areal Angebote für tägliche Bedürfnisse. Die kurzen Wege erleichtern den Alltag und fördern die Identität mit dem Ort.
- Die beiden Häuser werden durch einen verkehrsfreien Quartierplatz mit grossen Bäumen und einem Brunnen verbunden. Vielfältige Erdgeschossnutzungen mit Verweil- und Einkaufsmöglichkeiten machen den Ort attraktiv für die Quartierbewohnenden.
- Die Fassade des U umrahmt den Gartenhof. Die grüne Oase besteht aus grossen Bäumen und vielfältiger Vegetation. Offenere und geschütztere Bereiche laden zum Verweilen, Austauschen und Spielen ein. Der Gartenhof wird mit einer begrünten Laube von der Zuchwilerstrasse abgeschirmt. Dieser gedeckte Aussenraum dient als weitere Aufenthaltsfläche. Die Kita erhält einen eigenen Aussenraum.